Biographie Herausgeber & Autor Discographie Das Volkslied Archiv Trio Express Pressestimmen Presseinfos & Medien Fotos & Bildergalerien
DAS VOLKSLIED

Das deutsche Volkslied ist heute noch so lebendig wie eh und je. Und dennoch fragen wir uns: "Volkslied", was ist das? Es klingt so einfach und ist doch so schwer zu erklären. Die Bezeichnung Volkslied prägte der deutsche Dichter, Kulturhistoriker und Philosoph Johann Gottfried Herder. Er veröffentlichte eine größere Zahl in- und ausländischer Volkslieder-Teil I 1778, Teil II 1779-, die später unter dem Titel "Stimmen der Völker in Liedern" erschienen.

Was ein echtes Volkslied ist, wodurch es sich grundsätzlich von anderen Liedern unterscheidet und wie man es wissenschaftlich definieren soll, darüber sind sich die Fachgelehrten bis heute nicht einig. Aber ich möchte hier keine wissenschaftliche Forschung betreiben.

Ein Volkslied ist sicher ein Lied, das "im Volk" gesungen wird, zu dessen Verständnis keine Literatur und Musikkenntnisse nötig sind, ein Lied, mit dem wir sozusagen geboren wurden, das in unsere Wiege gelegt wurde. Die Lieder unseres Volkes sind aber auch Verse und Melodien, die aus vollem Herzen die Schönheit unserer Heimat, vom Waldes- und Wiesengrün, vom Rauschen alter Brunnen und aus Kindheitstagen erzählen.

Es wäre fesselnd, die Geschichte des deutschen Volksliedes nachzuzeichnen, jedoch mehr als Andeutungen können hier in dieser kurzen Ausführung nicht gegeben werden.

Schon lange vor Herders Zeit wurden Lieder gesungen und weitergetragen. Erinnert sei nur an die alten heidnischen Volksgesänge oder an Lieder aus dem Mittelalter zur Zeit des Rittertums. Man nannte diese Lieder auch Minnegesänge.

Walther von der Vogelweide und Oswald von Wolkenstein zum Beispiel waren solche Minnesänger.

Nach der Veröffentlichung der Sammlung Herders kam eine große Bewegung ins 19. Jahrhundert. So erschien 1806 bis 1808 "Des Knaben Wunderhorn" von Achim von Arnim und Clemens Brentano. Ludwig Uhland erschien in den Jahren 1844 bis 1846 alte- und niederdeutsche Volksliedertexte. Doch die Seele des Volksliedes, die Melodie, hatte in all diesen Sammlungen der Herausgeber wenig Berücksichtigung gefunden.

Ludwig Erks großer Verdienst bleibt es, die Melodien der Volkslieder mit großer Hingabe und Gewissenhaftigkeit aufgezeichnet zu haben. Sein Lebenswerk vollendete er 1856 mit der umfassenden Sammlung "Liederhort". Vervollständigt wurde Erks Werk von dem Forscher und Komponisten Franz M. Böhme.

So könnte man noch viele große Liedersammlungen des 19. Jahrhunderts aufzählen. Die meisten der großen Sammlungen von Liedern unserer Vorfahren kann man bestaunen. Das Deutsche Volksliederarchiv in Freiburg im Breisgau besitzt eine der größten Zusammenstellungen mit wissenswerten Daten und Quellen von Ursprung und Historie der alten, aber auch der neuen Lieder, eine Fundgrube für jeden Volksliedersammler.

Als Kind wurde ich schon in den Bann dieser Lieder gezogen. Sammel- und Forscherleidenschaft ließen mich nicht mehr los. Als ich mit vierzehn Jahren zur Wanderbewegung (Nerother Wandervogel) stieß, bekam ich einen ersten Einblick in unser Kulturgut "Volkslied". Im Jahre 1979 zog ich in die Vulkaneifel, in eine Landschaft, die von einer geheimnisvollen Schönheit geprägt ist. In dieser Umgebung konnte ich meine künstlerischen Fähigkeiten entfalten.

Freunde ermutigten mich, nicht nur Lieder zu singen, sondern meine Sammlungen in einem Liederbuch herauszubringen. Bis dahin sollte noch einige Zeit vergehen.
Zuerst habe ich meine Sammlungen von Liederbüchern und einzelnen Liederblättern katalogisiert. Lieder, die oft nur bruchstückhaft in Text oder Melodie vorhanden waren, habe ich wiederhergestellt oder teilweise neu gestaltet. In den Jahren kamen viele Texte aus der nahen Umgebung der Eifel in meine Hände.
Ich entdeckte das Brauchtumslied, alte Handwerkerlieder der Gedichte von Heimatdichtern, die es wert waren beachtet zu werden.
Auch neue Lieder sind entstanden, einige in Verbindung mit Gedichten aus Heimatjahrbüchern der Kreise Daun und Bad Kreuznach oder aus Dichtungen von Peter Zirbes, dem Eifeldichter aus Niederkail (1825 bis 1901), um nur diese wenigen Quellen zu nennen.

Mein Liederbuch "Vagabund" mit über 100 alten und neuen Volksliedern wurde 1992 im Warlich Druck- und Verlagshaus in Meckenheim veröffentlicht.

Das Volkslied ist ein Stück unserer Kultur und unserer Geschichte. Ich wünsche allen Freude beim Singen und Musizieren.

Manfred Ulrich


 





Johann Gottfried Herder ©


W
alther von der Vogelweide ©


Clemens Brentano ©


Ludwig Erk ©


Peter Zirbes ©


Kontakt/Impressum Home Aktuelles Links